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American Health Information Management Association
Kategorie: VoiceIt
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USA: Bahn frei für sinnvolle eHealth-Anwendungen

(HealthTech Wire / VoiceIt) - Für viele Experten, die sich mit IT-Lösungen im Gesundheitswesen beschäftigen, sind die USA derzeit der weltweit interessante Ort. Hohe Summen werden dort investiert, um elektronische Patientenakten in Krankenhäusern und bei Ärzten einzuführen. Für Viele von besonderem Interesse ist, was derzeit unter dem Begriff des „meaningful use“ – also des sinnvollen Einsatzes – von Patientenakten diskutiert wird. Im Rahmen der conhIT 2010, der deutschen Konferenz für IT-Lösungen im Gesundheitswesen in Berlin, plante HealthTech Wire eine Diskussion mit Harry B. Rhodes, Director of Practice Leadership bei der American Health Information Management Association (AHIMA) rund um den Begriff des “meaningful use“ und des damit verbundenen Förderprogramms. Die Diskussion fiel dem Ausbruch des Vulkans Eyjafjalla zum Opfer. Stattdessen führten wir folgendes Telefoninterview mit Harry Rhodes.
Veröffentlicht: 04.06.2010
Warum hat die US-Regierung entschieden, dem Thema eHealth einen so hohen Stellenwert auf der politischen Agenda einzuräumen?
Zahlreiche Akteure und Organisationen in den USA arbeiten bereits seit Längerem an der Digitalisierung des US-Gesundheitssystems. Wir müssen uns jedoch damit abfinden, dass wir insgesamt hinter unseren definierten Zielen zurück geblieben sind. Nur 1,5 Prozent aller Krankenhäuser setzen derzeit übergreifende elektronische Patientenakten ein, die krankenhausweit in allen klinischen Abteilungen zur Verfügung stehen – das zeigt die Analyse einer aktuellen Befragung, die im März 2009 im New England Journal of Medicine veröffentlich wurde. Eine weitere Studie der Rand Corporation brachte ans Tageslicht, dass ein weitverbreitetes Hemmnis für die Implementierung von IT-Lösungen im Gesundheitswesen eine nicht ausreichende Kapitalbasis für die Anschaffung von Healthcare IT sowie Bedenken hinsichtlich der Kapitalrendite sind. Wir alle wissen, dass die Kosten für das Gesundheitswesen explodieren. Aktuelle Schätzungen gehen davon aus, dass in 2012 die jährlichen Kosten für das US-Gesundheitswesen rund drei Billionen Dollar erreichen werden. Angesichts dieser Situation sind zunehmende Investitionen in Healthcare IT eine einfache Entscheidung. Schätzungen gehen davon aus, dass die landesweite Implementierung von elektronischen Patientenakten kurzfristige Einsparungen im Bereich von 80 Milliarden US-Dollar bringen wird, plus 40 Milliarden Dollar jährlich.
Welche Mittel stellt die US-Regierung insgesamt im Rahmen des Healthcare IT Programms zur Verfügung?
Das komplette Konjunkturpaket (ARRA) von 2009 umfasste 787 Milliarden US-Dollar, rund 5 Prozent davon fließen in die Healthcare IT. Der Anteil des durch die staatlichen Gesundheitsorganisationen Medicare und Medicaid budgetierten Rückvergütungssystems liegt bei 20,819 Milliarden Dollar als Anreiz, um Mediziner und Organisationen bei der Einführung von elektronischen Gesundheitsakten zu unterstützen. Weitere 12 Milliarden Dollar Förderung sind für verwandte Bereiche wie etwa Breitbandanbindung, Telemedizin und IT-bezogene Bauprojekte sowie Forschung verfügbar.
Das Konzept des “meaningful use” ist das Herzstück des US-Healthcare IT Programms. Worum geht es dabei?
Die Grundidee ist, dass finanzielle Mittel, die Ärzten und Einrichtungen zu Gute kommen, nicht nur einfach für die Anschaffung von elektronischen Patientenakten bereit gestellt werden, sondern dafür, die Akte auf einen medizinisch sinnvollen Weg zu bringen. So ist es nicht ausreichend, den zuständigen Behörden die Rechnung für die neue Software zu zeigen. Die zertifizierte Technik muss angebunden werden, um den Austausch von Gesundheitsinformationen zu ermöglichen und die Qualität der Pflege zu verbessern. Darüber hinaus muss die zertifizierten Patientenakte in der Lage sein, Informationen für das öffentliche Gesundheitsreporting und klinische Qualitätserhebungen zu übermitteln. Das „meaningful use“ Programm ist ein Anreiz- und kein Anspruchsprogramm. Von keiner Einrichtung des Gesundheitswesens – egal ob niedergelassener Arzt oder Krankenhaus – wird in den ersten fünf Jahren verlangt, sich für das Programm anzumelden. Ab 2016 wird das Programm jedoch verpflichtend. Für jedes Krankenhaus, das an dem „meaningful use“ Programm teilnehmen möchte, wird ein initialer Grundbetrag von 2 Millionen US-Dollar bereitgestellt, plus ein Betrag der abhängig von der Anzahl der Entlassungen ist. Jeder teilnehmende Mediziner kann bis zu 44.000 Dollar erhalten. Sobald die Berechtigung des Arztes bestätigt, der sinnvolle Einsatz nachgewiesen wurde und der Grenzwert für die maximale Summe erreicht ist, wird die gesamte Leistungsprämie ausgezahlt. Wenn am Ende des Anreizprogramms der sinnvolle Einsatz nicht nachgewiesen werden kann, werden die Erstattungen durch Medicaid/Medicare für den Zeitraum gekürzt.
Wie sieht der Zeitrahmen für das meaningful use Programm aus?
Der Zeitrahmen ist ziemlich ambitioniert. Die Kriterien, anhand deren der sinnvolle Einsatz nachgewiesen werden muss, werden in drei Stufen veröffentlicht. Die Arbeiten an den Ergebnissen für Stufe 1 beginnen im Oktober 2010 mit dem Start des Medicare Geschäftsjahres. In 2011 müssen die berechtigen ambulanten Gesundheitseinrichtungen und Krankenhäuser die Einhaltung der Vorgaben der Stufe 1 nachweisen. Die Einrichtungen müssen nachweisen und belegen, dass sie in der Lage sind, über einen Zeitraum von 90 Tagen, Daten elektronisch zu erfassen und Auswertungen anzuzeigen. Die Anforderungen der Stufe 2 müssen in 2013 erfüllt werden, die der Stufe 3 in 2015. Einrichtungen, die nicht in Lage sind, die Anforderungen bis Ende 2015 zu erfüllen, werden Kürzungen bei den Medicare/Medicaid Erstattungen erfahren.
Wie wichtig sind Datenschutzaspekte?
Von den eingesetzten elektronischen Patientenakten wird erwartet, dass sie den Anforderungen einer „Certified EHR Technology“, wie sie in den Zertifizierungsrichtlinien definiert sind, gerecht werden. Die AHIMA ist seit langer Zeit Unterstützer der Testung und Zertifizierung von elektronischen Patientenakten und einer der drei Gründer der Certification Commission for Health Information Technology (CCHIT) in 2004. Es wird erwartet, dass Datenschutz- und Sicherheitsstandards bei der zertifizierten Patientenakte zum Einsatz kommen. Diese Standards beinhalten u.a. Ver- und Entschlüsselung, Authentifizierung, Verifizierung sowie eine EPA Historie und die Aufzeichnungen hinsichtlich er Behandlungsschritte und Vergütung.
Und wie sieht es mit den technischen Standards aus?
Es wird erwartet, dass das Büro des National Coordinator of Health Information Technology die Standards, Zertifizierungen und den Prozess des Informationsaustausches der letzten Jahre wirksam einsetzen wird. Eine Menge Arbeit wurde in die Harmonisierung der existierenden Standards gesteckt. Die an der Entwicklung von Standards beteiligten Organisationen wie HL7, ASME und IHE haben alle einer Harmoniesierung der Standards zugestimmt. Die Idee ist, dass mit der Definition von „meaningful use“ Kriterien, die existierenden Standards von mehr und mehr Anbietern umgesetzt werden. Der Austausch von Gesundheitsinformationen ist ohne Standards nicht möglich. Der Schlüssel zum Erfolg für die Anbieter wird die Erreichung eines Konsenses über harmonisierte Standards sein.
Herr Rhodes, vielen Dank für das Gespräch. (HTW)
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Quelle: HealthTech Wire für AHIMA
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