Additional content:
Premium News von
InterComponentWare AG
Kategorie: VoiceIt
Veröffentlicht in GoDirect
Leser
Anzahl Leser: 1341 .
Platz 70 von insgesamt 929 Nachrichten .
.Main content:
VoiceIt: IHE lernen leicht gemacht

(HealthTech Wire / VoiceIt) - Deutschland tut sich traditionell schwer mit internationalen Standards im Umfeld der Gesundheits-IT. Alexander Ihls, EMEA Sales Director Connected Healthcare und Head of Global Standards Office bei dem eHealth-Spezialisten InterComponentWare AG (ICW), formuliert im Gespräch mit HealthTech Wire Wünsche an die neue Bundesregierung. Und er erklärt, was deutsche Politiker und medizinische Informationssysteme gemeinsam haben. Antwort: Sie müssen beide IHE lernen.
Veröffentlicht: 15.04.2010
Blicken wir in Sachen eHealth-Standards durch den Wechsel zu einer schwarzgelben Bundesregierung endlich rosaroten Zeiten entgegen?
Die Beziehung zwischen dem deutschen Gesundheitswesen und internationalen Standards ist traditionell komplex. Nehmen wir die Telematikinfrastruktur: Bei den rein technischen Standards macht das Projekt eine sehr gute Figur. Anders sieht es bei den Healthcare-spezifischen Standards aus. Hier müssen wir seitens der Industrie und auch seitens der Standardisierungsgremien immer wieder daran erinnern, dass es international einen wachsenden Konsens darüber gibt, was sinnvoll ist und was nicht. Was die Regierungsfarbe angeht: Wir hatten schon den Eindruck, dass der ehemalige Staatssekretär Theo Schröder zunehmend bereit war, internationale Entwicklungen wie IHE und Continua in die Überlegungen einzubeziehen – auch dank mehrerer USA-Besuche. Durch die neue Regierung ist jetzt viel Bewegung in die Telematikinfrastruktur gekommen. Wir hoffen, dass wir dadurch auch internationale Standards besser einbringen können. Ein Selbstläufer ist das aber nicht…
Hinkt Deutschland der internationalen Entwicklung hinterher?
In Sachen internationaler Healthcare-Standards ist das so, ja. Reden wir ruhig mal von Europa: Egal wo Sie hinschauen, überall werden in Ausschreibungen inzwischen internationale Standards gefordert. Die Ausschreibung für die Vernetzung der französischen Health Professionals über Personal Health Records beispielsweise forderte 100 Prozent IHE-Kompatibilität. Das landesweite Integrationsprojekt für PAC-Systeme in Wales, das unser Partner GE Healthcare mit unseren Lösungen gewonnen hat, nennt als Grundlage für die Integration ganz explizit IHE XDS und IHE-XDS-I. In Spanien werden ganze Gesundheitsregionen auf Basis von IHE vernetzt. In der Schweiz sind wir an Pilotprojekten beteiligt, die ebenfalls eng mit IHE arbeiten. In Deutschland ist so etwas bisher kaum denkbar.
Woran liegt das?
Ein wesentlicher Grund sind die sehr restriktiven Vorschriften beim Datenschutz in Deutschland. Das war ja letztlich auch der tiefere Grund für Initiativen wie die elektronische Fallakte. Wenn in Deutschland Behandlungsdaten digital gespeichert werden sollen, dann sind Zugriffe nur im Behandlungszusammenhang erlaubt. Das ist auch in Ordnung, und das würde IHE auch hergeben. Schwieriger ist, dass streng genommen auch die Datenhaltung nur erlaubt ist, wenn dieser Behandlungszusammenhang existiert. Und da wird es dann schon schwieriger. Es gibt sogar Datenschützer, die sagen, ein übergreifender Master Patient Index sei mit den deutschen Datenschutzvorgaben nicht kompatibel. Wenn das so wäre, könnten wir mit eHealth aufhören. Dazu kommt noch, dass sich die Protagonisten in Deutschland stark auf das Kartenparadigma und die zumindest teilweise dezentrale Speicherung der Daten versteift haben. Das macht es nicht leichter.
ICW kooperiert seit einiger Zeit bei eHealth-Lösungen mit dem Unternehmen GE Healthcare. Wie halten Sie es in dieser Kooperation mit den Standards?
Wir haben im Rahmen der Kooperation zusammen mit GE Healthcare unter anderem unsere Vernetzungslösung Professional Exchange Server weiterentwickelt und sie zu 100 Prozent IHE-kompatibel gemacht. Mit dieser Lösung haben wir Anfang des Jahres am amerikanischen IHE-Connectathon und vor wenigen Tagen am europäischen IHE-Connectathon in Bordeaux erfolgreich teilgenommen. Das Produkt wird von den Unternehmen gemeinsam vermarktet. Auf beiden Connectathons waren wir außerdem mit einem Master Patient Index als eigenständigem Produkt vertreten.
Was nützen zu 100 Prozent IHE-kompatible Vernetzungslösungen, wenn die Primärsysteme IHE noch nicht können?
Das ist in der Tat teilweise noch ein Problem. ICW hat deswegen schon vor anderthalb Jahren die Integrationsplattform IPF im Rahmen der Open eHealth Foundation als Open Source-Produkt zur Verfügung gestellt. An der Weiterentwicklung beteiligen sich derzeit circa 100 Programmierer sowohl von Anwender- als auch von Industrieseite. Im Rahmen der IPF werden unter anderem Transaktionen der IHE als spezifische Skriptsprachen („Domain specific Languages“, DSLs) zur Verfügung gestellt. Das heißt: Wer ein nicht IHE-fähiges Produkt besitzt, kann es mit Hilfe dieser freien Komponenten IHE-fähig und damit kompatibel mit IHE-konformen Vernetzungslösungen machen.
Und das funktioniert auch in der Praxis?
Tut es. Unser Vernetzungsprojekt in Wales ist ein gutes Beispiel. Es geht dort zunächst darum, radiologische Bilddaten landesweit verfügbar zu machen. Die dortigen NHS-Trusts nutzen als Radiologieinformationssystem eine Eigenentwicklung, die HL7-v2 kann, aber kein IHE. Zudem gibt es eine ganze Reihe unterschiedlicher PAC-Systeme. Mit Hilfe unserer Integrationsplattform können wir die PAC-Systeme und die RIS-Eigenentwicklung IHE-XDS-I-konform vernetzen. Das Geheimnis ist letztlich ein sehr flexibler Schnittstellenserver, der Nachrichten im Format HL7-v2 empfängt und IHE-Dokumente ausspuckt. Am Ende werden die Radiologen von überall her auf Bilddaten aus allen vernetzten PAC-System über einen Browser-basierten DICOM-Viewer zugreifen können. Die Lösung ist auch flexibel genug, um sich anzupassen, wenn ein System IHE gelernt hat.
Herr Ihls, vielen Dank für das Gespräch. (HTW)
###
© so2say communications. Alle Rechte vorbehalten. Auszüge dürfen für nicht-kommerzielle Zwecke und unter Angabe bzw. Verlinkung der Quelle HealthTech Wire / www.healthtechwire.de weiterverwendet werden.
Zurück zu VoiceIt Overview