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Tieto Deutschland GmbH
Kategorie: VoiceIt
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VoiceIt: Herr Ryymin, wie können Ärzte im Alltag von ICT profitieren?

(HealthTech Wire / VoiceIt) - Der Schlüssel zur Digitalisierung des Gesundheitssystems liegt in der Akzeptanz der Ärzte. Gerade dabei ergeben sich oftmals Probleme. Tieto, ein IT-Unternehmen mit nordischen Wurzeln, engagiert sich gegenwärtig in mehreren nationalen Projekten, die die Implementierung der elektronischen Patientenakte zum Ziel haben. Das Feedback der Ärzte ist sehr positiv. Arto Ryymin, Executive Vice President Healthcare & Welfare bei Tieto, erläutert im Gespräch mit HealthTech Wire, welche Erfolgsfaktoren er für die IT im Gesundheitswesen sieht – sowohl auf institutioneller als auch auf regionaler und nationaler Ebene.
Veröffentlicht: 29.03.2010 Übersetzungen verfügbar: EN
Ärzte hört man oft sagen, ihr höchstes Ziel sei es, den Patienten die bestmögliche Behandlung zu ermöglichen. Inwiefern kann IT im Gesundheitswesen dazu beitragen?
Ich sehe hier vier wesentliche Bereiche, in denen IT-Lösungen die Qualität des Gesundheitswesens steigern kann, und das sowohl direkt als auch indirekt. Zuallererst tragen sie dazu bei, dass vorhandene Ressourcen an Fähigkeiten und Wissen besser genutzt werden können. Hierzu sind Lösungen zur Verwaltung von Patientendaten da. Zweitens können sie die Genauigkeit von Diagnosen erhöhen und damit die Wahrscheinlichkeit von richtigen medizinischen Entscheidungen. Dies wird möglich, weil Ärzte in einer digitalisierten Umgebung einfacheren Zugang zu entscheidungsrelevanten Datenhaben. Drittens vereinfacht IT die übergreifende Zusammenarbeit zwischen Gesundheitseinrichtungen. Zusätzlich ermöglicht IT den Gesundheitseinrichtungen mehr örtliche und zeitliche Flexibilität.
Können Sie uns ein paar Beispiele dafür nennen, wie diese Überlegungen Eingang in die Produkte von Tieto finden?
Lassen Sie mich zunächst ein Beispiel für Ersteres geben: die bessere Nutzung von Ressourcen. Automatisierte und optimierte Lösungen zur Planung von Ressourcen wie die Terminvergabe zur Untersuchung sowie das Betten- oder Krankenstation-Management sind seit Jahrzehnten verfügbar. Jedoch löst selbst die beste Planung nicht das Problem verpasster Untersuchungen, die sehr häufig und sehr kostspielig sind, insbesondere im Bereich der Ambulanz und der Dentalmedizin.
Wir haben zu diesem Zweck eine einfache, aber hoch ausgereifte Lösung entwickelt, die SMS nutzt, um der Verschwendung von Kapazitäten vorzubeugen. Ein weiteres Beispiel ist die elektronische Patientenakte: Mit ihrer Hilfe steigert sich die Wahrscheinlichkeit dass die richtigen Informationen sofort zur richtigen Zeit verfügbar sind. Europa ist schon sehr weit fortgeschritten in dieser Hinsicht, Finnland hat bei der elektronischen Patientenakte bereits eine Umsetzungsquote von 100 Prozent.
Wie sieht es bei der besseren Zusammenarbeit und der Unabhängigkeit von Ort und Zeit aus?
Auch hier gibt es sehr gute Beispiele. Nehmen Sie zum Beispiel einen Patienten, der eine Laboruntersuchung benötigt oder an ein Röntgenlabor überwiesen wird. In einer digitalisierten Umgebung werden dabei alle Patientendaten digital übermittelt und sind bereits verfügbar, bevor der Patient eintrifft. Es können also ausreichend Vorbereitungen getroffen werden, was sowohl dem untersuchenden Team als auch dem Patienten zu Gute kommt. Umgekehrt können, wenn die Tests ausgewertet sind, Resultate und kritische Ergebnisse unmittelbar an die richtigen Abteilungen und Spezialisten übermittelt werden.
Wenn sie die Unabhängigkeit von Ort und Zeit einmal näher betrachten, sehen Sie, wie viel sich bereits verändert hat. So ist es bereits in vielen Einrichtungen üblich, einen externen Spezialisten auf digitalem Wege zu Rate zu ziehen. Und wenn Sie in größeren Dimensionen denken, können regionale und nationale Lösungen umfassend patientenzentrierte Dienstleistungen ermöglichen, wobei alle Gesundheitsanbieter innerhalb einer zusammenhängenden Servicekette agieren. Ohne IT wäre so etwas undenkbar.
Fraglich ist aber doch, was versprochen wird und was in der Healthcare IT umgesetzt wird. Viele Ärzte sagen beispielsweise, dass die Bürokratie zunehme, trotz oder gerade wegen zunehmender IT in der Gesundheitsvorsorge. Wie kann diese Falle umgangen werden?
Wir hassen Bürokratie genauso wie viele Ärzte sie hassen, deswegen tun wir alles, was uns möglich ist, um zu viel Bürokratie zu vermeiden. Wie stellen wir dies an? Indem wir uns auf das Wichtigste konzentrieren. Und in der Gesundheitswirtschaft heißt dies, Anbietern und Patienten das Leben einfacher zu machen. Dies können wir tun, indem wir uns auf die wesentlichen Anforderungen konzentrieren und unsere Lösungen anhand praktischer Erfahrungen immer weiter optimieren.
Wichtig ist es auch, den Willen zur Veränderung zu haben, wenn eine neue IT-Lösung eingeführt wird. Es ist nicht immer das beste Rezept, ein Szenario eins zu eins in die digitale Welt überführen zu wollen. Wenn wir große Installationen durchführen, versuchen wir daher immer, große Schritte in Einzelschritte zu unterteilen und dann so viele Schritte wie möglich einzusparen. Dies heißt für uns zu automatisieren, was auch immer automatisiert werden kann.
Regionale oder sogar nationale elektronische Patientenakten sind in vielen Ländern in den letzten Jahren ein Thema geworden. Ins Trudeln geraten solche Projekte aber, wenn die Ärzte die vorhandenen Möglichkeiten einfach nicht nutzen. Welche Faktoren sind hier wichtig, um der elektronischen Patientenakte zum Erfolg zu verhelfen?
Der Schlüssel liegt hier in der Information, die benötigt wird, sowie der einfachen Handhabung. Dies ist keine einfache Angelegenheit: Wichtig ist zum Beispiel, die benötigte Information in verschiedenen Situationen in einem angemessenen Format verfügbar zu machen. Genau dies ist eine große Herausforderung. Es gibt von Behandlungssituation zu Behandlungssituation und von Patient zu Patient große Unterschiede, was die Darstellung von Informationen sowie die Art der nötigen Informationen betrifft.
Häufig sind die Schlüsselelemente sowie die benötigten Informationen dieselben, ein Arzt in einer Notfalleinrichtung hat jedoch nur 10 bis 15 Sekunden, um grundlegende Patientendaten zu checken. In einem ambulanten Behandlungsfall hat der Arzt vielleicht drei bis vier Minuten, in einer anderen Abteilung kann dies erheblich länger dauern. Für die IT-Systeme heißt dies, dass sie sehr flexibel angelegt sein müssen, um diesen unterschiedlichen Bedürfnissen zu entsprechen und nutzerfreundlich zu sein. Eine andere wichtige Angelegenheit ist die Vollständigkeit der Informationen. Dies heißt nicht immer, dass alle möglichen und denkbaren Informationen in allen Fällen immer verfügbar sein müssen, aber Ärzte müssen sicher gehen können, dass die essentielle Information immer verfügbar und sichtbar ist. Hier kommt die Frage der Interoperabilität verschiedener Systeme ins Spiel.
Tieto ist gegenwärtig beim nationalen Roll-out der elektronischen Patientenakte in Schweden involviert. Wie ist das Feedback der Ärzte?
Wir haben im Sommer 2009 mit der Umsetzung begonnen und das Feedback ist bisher sehr gut. Ärzte bestätigen uns, dass aufgrund der schnellen Informationsmöglichkeiten Umlaufzeiten verringert und die Patientensicherheit erhöht wurde. Außerdem sagen sie, dass die Bürokratie zurückgefahren werden konnte, weil das Suchen und Fragen nachrelevanten Dokumenten nun wesentlich einfacher ist.
Ein gegenwärtiger Trend ist es, qualitative Elemente wie klinische Pfade oder Software zur Sicherung der Medikamentation in IT-Lösungen zu integrieren. Ist dies bereits spruchreif?
Qualitätsrelevante Module wie das Zusammenspiel von Medikamenten, Ausschlusswarnungen bei Laboruntersuchungen oder Warnungen bei kritischer Information sind schon seit einer Weile gängig. Wir haben auch eine Reihe sehr fortschrittlicher Kunden, die bereits seit einigen Jahren klinische Pfade integrieren. Im Moment arbeiten wir daran, diese Lösungen großflächiger einzusetzen. Die kommenden Elemente sind intelligente Algorithmen, die medizinische Entscheidungen zusätzlich unterstützen sollen. Ich bin überzeugt, dass solche Möglichkeiten die Akzeptanz entsprechender Lösungen bei Ärzten noch einmal steigern werden. Außerdem bin ich sicher, dass diese dann zu messbaren Erfolgen bei der Qualitätssteigerung der Gesundheitsfürsorge beitragen.
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Dieser Artikel wurde im GoDirect: ICT for Health unter www.healthtechwire.de/ictforhealth veröffentlicht.
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